Älteste Eisenhängebrücke in Europa (1827)

Die älteste Eisenhängebrücke Europas ist in ObÄlteste Kettenbrücke von 1827 Foto: wordpress.comerschlesien, im Oppelner Land.

Die solide deutsche Konstruktion hielt über 800 Jahre aus. Die Brücke befindet sich in der Kleinstadt Malapane in der Woiwodschaft Oppeln, die den gleichnamigen Fluss überspannt. Die Eisenhängebrücke wurde in der örtlichen Hütte „Malapane“ gegossen und am 12. September 1827 fertig gestellt. Für den Bau der 31,5 m langen und 6,6 m breiten Brücke verbrauchte man 57 Tonen Gusseisen und 14 Tonen Stahl. Die Tragfähigkeit der Brücke war mit 3 Tonen berechnet, sie trug jedoch fünfmal so viel. Die Kosten des ganzen Vorhabens betrugen 4.200 Taler. Die Konstruktion des Meisterstücks geht auf Maschineninspektor Karl Schottelius zurück. Es war die erste Hängebrücke dieser Art in ganz Europa. Heute ist sie nach einer gründlichen Sanierung im Jahr 2010 für den Fußgängerverkehr geöffnet worden. Nun dient sie als Touristenattraktion für die Kleinstadt Malapane.

Polnischunterricht an deutschen Schulen wird immer populärer

An polnischen Schulen steht der Deutschunterricht an der Tagesordnung. Doch auch Polnisch taucht immer öfters in deutschen Schulen als Wahlfach auf. Die Nachfrage nach Polnischkenntnissen steigt auch bei deutschen Unternehmen, die mit Polen kooperieren. Nun soll die polnische Sprachlücke gefüllt werden. Die Gabriele-von-Bülow-Oberschule- bietet als erstes Berliner Gymnasium auch Polnisch als dritte Fremdsprache an.

Seit dem EU-Beitritt Polens ist der wirtschaftliche und kulturelle Austausch immens gewachsen. Die Zweisprachigkeit vieler Mitarbeiter bringen wirtschaftliche Vorteile. Insbesondere für Unternehmen an der deutsch-polnischen Grenze, die gezielt mit polnischen Unternehmen Geschäfte und Verträge abschließen und sich auf dem Markt neue Chancen errechnen, stehen Polnischkenntnissen weit oben auf der Liste. Laut Vertreter der Berliner Wirtschaft seien Polnischkenntnisse bei Bewerbungen erwünscht und werden als zusätzliches Plus bewertet, denn Polnisch auf dem Zeugnis oder in der Bewerbung, das kann nicht jeder bieten! Dieses Defizit wurde nun in Deutschland erkannt. Derzeit bieten aber immer noch nur wenige Schulen Polnischkurse an.

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Schüler schlagen Brücken

Lehrer und Schüler des Allgemeinbildenden Kopernik-Lyzeums Nr. 1 in Kattowitz haben an einem besonderen Wettbewerb teilgenommen: Sie haben gemeinsam eine Internetseite über eine bedeutende Persönlichkeit ihrer Stadt entwickelt, nämlich über die Physik-Nobelpreisträgerin Maria Goeppert-Mayer. Damit erreichte das Kopernik-Lyzeum Nr. 1, dass eine Kattowitzer Straße nach Maria Goeppert-Mayer benannt wurde.

Die Schüler des Kopernikus-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin

Die Schüler des Kopernikus-Gymnasiums mit ihrer Lehrerin

In sieben Gruppen wurde intensiv unter zahlreichen Aspekten das Leben von  Maria Goeppert-Mayer erforscht. Durch viele Recherchen haben die Schüler einen tieferen Einblick in das Leben der Nobelpreisträgerin gewinnen können. Während der Arbeit hat sie bei den Schülern einen großen Eindruck hinterlassen. „Besonders faszinierend fand ich ihre tiefe Verbundenheit mit ihre Heimatstadt Kattowitz. Obwohl sie mit drei Jahren ihren Geburtsort verlassen hatte, vergaß sie nie ihre Heimatstadt. Aus politischen Gründen gelang es ihr damals leider nicht, Kattowitz zu besuchen, was somit ihr größter Wunsch blieb“, berichtet der Schüler Piotr Frydman. Beeindruckend waren auch für viele Schüler ihre Hartnäckigkeit und ihr Durchhaltevermögen, da sie dadurch eine anerkannte Wissenschaftlerin geworden ist und für ihr Schaffen einen Nobelpreis in Physik erhalten hat.

Überzeugen durch Taten

Warum sie sich für die interessante Persönlichkeit von Maria Goeppert-Mayer entschieden haben, erzählt Bozena Kubiak, Lehrerin des Lyzeums: „Alle Projekte im Rahmen dieses Wettbewerbs waren auf Multikulturalität ausgerichtet. Maria Goeppert-Mayer war eine Deutsche, die hier in Kattowitz geboren wurde. Später siedelte sie nach Deutschland um und dann nach Amerika, weil sie einen Amerikaner geheiratet hat. Den Nobelpreis für Physik erhielt sie also als Amerikanerin. Außerdem wissen wir, dass sie sich immer mit Kattowitz verbunden fühlte.“ Das Interesse der Schüler galt aber nicht nur den Leistungen der Nobelpreisträgerin auf dem Gebiet der Physik, sondern auch der karitativen Tätigkeit von Goeppert-Mayer. Sie half der Organisation „Bund der Oberschlesier“ in Pennsylvania, wo sie die Schirmherrschaft übernahm. Zusätzlich half sie auch denjenigen, die aus Oberschlesien nach Amerika ausgewandert sind.

Wege gegen das Vergessen

In der Zeit des Projektes entstand die Idee, nicht nur bei der Entstehung der eigenen Internetseite der Nobelpreisträgerin zu bleiben, sondern auch einen viel bedeutenden Schritt zu wagen. Damit ihre großen Taten von Maria Goeppert-Mayer nicht in Vergessenheit geraten, stellten die Schüler einen Antrag, ihr einen Straßennamen in Kattowitz zu widmen. Bis zu dieser Zeit wurde Maria Goeppert-Mayer nur mit einer Gedenktafel an ihrem Haus gewürdigt. Der Antrag wurde vom Vorsitzenden des Stadtrates Jerzy Forajter angenommen: „Ich muss zugeben, dass mich die Idee der Schüler fasziniert hat. Ich wollte, dass diese Initiative so schnell wie möglich realisiert wird. Es ist nicht leicht, denn in Kattowitz werden nicht viele neue Straßen gebaut, und die alten wollen wir nicht umbenennen“, erzählt der Stadtrat von den Schwierigkeiten. Schließlich kam es aber doch zu einer positiven Entscheidung. Feierlich wurden die Straßenschilder mit dem Namen Maria Goeppert-Mayer aufgehängt.

Die neue Straße der Nobelpreisträgerin in Kattowitz

Die neue Straße der Nobelpreisträgerin in Kattowitz

Die neue Maria Goeppert-Mayer-Straße ist keine kleine Nebenstraße, sondern eine, die Mitten in der Stadt gebaut wurde. Die Straße der Nobelpreisträgerin ist eine wichtige Straße, denn hier soll der neue internationale Busbahnhof entstehen. Jeder, der mit dem Bus aus dem Ausland nach Kattowitz kommt, wird an der Goeppert-Mayer-Straße aussteigen. Die Lehrer setzten sich mit ihrer Familie in Verbindung und luden den Sohn Peter C. Mayer und Donalt Wentzel, den Schwiegersohn der Nobelpreisträgerin nach Kattowitz ein. So kam Donalt Wentzel zur Einweihung der Straße seiner Schwiegermutter. Goeppert-Mayers Sohn Peter C. Mayer kam mit seiner Ehefrau zwei Wochen später. Er war von dem Projekt fasziniert und sagte, dass es ein guter Brückenschlag zwischen Deutschen, Polen und Oberschlesien sei. Für ihn sei es eine große Freude, dass dadurch ein positives Zeichen zwischen Deutschen und Polen gesetzt werde.

Weitere Entwicklung in Sicht

Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende. Die Stadtverwaltung von Kattowitz hat eine Initiative ins Leben gerufen: In Zusammenarbeit mit der Schlesischen Universität soll ein Physikwettbewerb für Lyzeen entstehen. Der Preis, den man dabei gewinnen kann, soll Maria-Goeppert-Mayer-Preis heißen.

Am Beispiel von Kattowitz sieht man, dass Schüler und Lehrer gemeinsam viel bewegen können.

Individuelles Forschungsprojekt am Freiburger Husserl-Archiv

Maja Niestrój aus Oppeln studierte Philosophie an der Päpstlichen Theologischen Akademie Krakau und Management in der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Landwirtschaftlichen Universität Krakau und entschied sich im 4 Studienjahr, am GFPS-Stipendienprogramm teilzunehmen. 

Maja Niestrój am Grab von Edmund Husserl

Maja Niestrój am Grab von Edmund Husserl

   

Das GFPS-Stipendienprogramm war für die Studentin die Chance! Denn so konnte sie sich einen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen und zudem ihren Traum verwirklichen: ihr individuelles Forschungsprojekt am Freiburger Husserl-Archiv zu realisieren. POLEN interaktiv sprach mit Maja Niestrój über ihr Projekt und ihre Erfahrungen. 

Wie bist du auf das GFPS-Stipendienprogramm aufmerksam geworden? 

- Ich habe mein individuelles Forschungsprojekt „Gegen die Wissenschaft. Analyse der methodologischen Stellung Husserls“ in Phänomenologie an der Päpstlichen Theologischen Akademie Krakau mit Hilfe von Dr. Adam Workowski vorbereitet. Da ich das Projekt wissenschaftlich begleiten wollte, habe ich mich dazu entschlossen, es im Freiburger Husserl-Archiv zu realisieren. Die Projektvorbereitungen dauerten fast ein Jahr. Da ich mich um den Platz des „Gastforschers“ im Archiv erfolgreich beworben habe, musste ich nach der Einladung des „Archivsforschers“ eine Finanzmöglichkeit für meinen halbjährigen Aufenthalt in Freiburg suchen. So nutzte ich das GFPS-Stipendienprogramm. Das war meine Chance! 

Warum wolltest du dein Projekt am Freiburger Husserl-Archiv realisieren? 

- In den Schriften von Elisabeth Ströker wurde ein unbekanntes Gesicht Husserls skizziert, wo er nicht nur als revolutionärer Erkenntnistheoretiker im Bereich der Epistemologie präsentiert wurde, sonder auch als ein bewusster Wissenschaftstheoretiker im Bereich der Methodologie. Da ich mich für das unbekannte Gesicht Edmund Husserls, der als Begründer der Phänomenologie gilt, interessiere, wollte ich so nah wie möglich an den Quellen sein und mit den besten Spezialisten arbeiten. Der Leiter des Archivs, Prof. Hans-Helmut Gander war mein Wissenschaftsbetreuer während meines Aufenthaltes. Er ist ein weltberühmter Phänomenologe und war auch ein Mitarbeiter von Elisabeth Stöker. So war das Freiburger Husserl-Archiv wie ein Traumplatz für meine Forschungen. 

Welche Erfahrungen hast du während deines Aufenthaltes in Freiburg gesammelt? 

- Als Stipendiatin studierte ich an der Albert-Ludwig-Universität Freiburg Philosophie und Kognitionswissenschaften. Gleichzeitig arbeitete ich als „Gastforscherin“ im Freiburger Husserl-Archiv. Ich hatte doppeltes Glück! Einerseits konnte ich die wissenschaftliche Atmosphäre des internationalen Teams genießen und andererseits magische Momente in Freiburg erleben. Freiburg ist eine wirklich bildschöne Stadt. Besonders hat mich die badische regionale Kultur mit dem unvergesslichen alemannischen Dialekt fasziniert. Zudem hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, meine Sprachkenntnisse in allen Bereichen zu verbessern, sei es während der Arbeit im Archiv, an der Universität oder im Alltag. Außerdem habe ich Freundschaften mit jungen Leuten geschlossen, die bis heute andauern. 

Gibt es Unterschiede zwischen der deutschen und polnischen Hochschule? 

- Das Hochschulsystem ist in beiden Ländern etwas anders aufgebaut. Auf den deutschen Hochschulen gibt es mehr Flexibilität für Studenten. Sie können teilweise selbständig Fächer wählen. So können sie sich gleichzeitig auf verschiedenen Interessengebieten entwickeln. Diese Vorteile bedeuten aber auch größere Verantwortung für den eigenen Studiengang zu übernehmen. In Polen ist das System noch immer relativ starr. Meiner Meinung nach liegt der Schwerpunkt immer noch auf dem Allgemeinwissen – allerdings in konkreten Bereichen, nicht auf Spezialisierung. Was ist nun besser? Entweder eine enge Spezialisierung oder mehr der allgemeine Blick – die Diskussion darüber geht schon lange. 

Wie bist du in Deutschland zurecht gekommen? 

- Ich habe eine große Unterstützung seitens meiner Betreuungsgruppe (GFPS) in Deutschland bekommen. Diese persönliche Betreuung für jeden Stipendiaten wird bei GFPS ganz groß geschrieben. Wenn man alleine ins Ausland reist, ist es unglaublich gut zu wissen, dass dort bereits jemand auf dich wartet und alles speziell für deine Ankunft vorbereitet hat. Mit entgegenkommenden Leuten ist es relativ einfacher, in einer neuen Umgebung zurechtzukommen. Selbstverständlich musste ich auch ein paar Regeln lernen, wie beispielsweise die sehr restriktive und komplizierte Mülltrennung, die in Freiburg, der „Ökohauptstadt“ Deutschlands eine sehr große Rolle spielt. Wenn man fünf verschiedenen Eimer hat, braucht man einen Moment zum Nachdenken, wie und wo was hineingehört.  

Würdest du das GFPS-Stipendienprogramm anderen Interessierten weiter empfehlen? 

- Mit GFPS bin ich bis heute verbunden – als Mitglied der Stadtgruppe in Freiburg und als Mitglied des polnischen Vorstands GFPS Polska. Ich finde, dass es die beste Empfehlung ist! Die Gemeinschaft bietet die Möglichkeit, sein persönliches Potenzial und seine Leistungen zu entwickeln, sich in der internationalen Mitarbeit zu betätigen, aber auch echte Freundschaften zu schließen. 

GFPS соединять/spojuje/verbindet/łączy.

Von Studierenden für Studierende

Tim Zosel aus Deutschland und Paulina Bocheńska aus Polen waren im Jahr 2009/2010 die ersten Vorsitzenden von GFPS e.V. Sie halfen ehrenamtlich mit, das GFPS-Stipendienprogramm für Studierende aus Mittel- und Osteuropa weiterzuführen. POLEN interaktiv sprach mit den beiden ehemaligen GFPS-Vorsitzenden.

Die ehemaligen Vorsitzenden der Gemeinschaft zur Förderung von Studienaufenthalten polnischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland: Paulina Bocheńska und Tim Zosel

Die ehemaligen Vorsitzenden der Gemeinschaft zur Förderung von Studienaufenthalten polnischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland: Paulina Bocheńska und Tim Zosel

Was hat euch dazu bewogen, GFPS-Vorsitzende zu werden?

„Durch eine Freundin bin ich auf die GFPS aufmerksam geworden, in die ich dann eingetreten bin. Auf den Städtetagen in Hamburg habe ich dann zum ersten Mal GFPS-Bewerber kennen gelernt und später durch mein Studium in Freiburg bin ich dort auf eine sehr aktive Stadtgruppe gestoßen. So erfuhr ich auch, dass Freiburg die Gründungsstadt der GFPS ist. Seitdem fasziniert mich der Spirit der MOE-Länder. Zudem macht es mir Spaß, sich für die Stipendiaten zu engagieren. Denn durch mein Engagement profitieren sie und das motiviert mich wiederum, sie zu unterstützen“, erzählt Tim. „Für mich war es sehr erstaunlich, dass sich Studierende für Studierende ehrenamtlich einsetzen. Da ich selbst GFPS-Stipendiatin war, hatte ich Lust als GFPS-Vorsitzende neue Ideen und Projekte mit einzubringen“, so Paulina.

Welche Aufgaben fallen in euren Verantwortungsbereich?

„GFPS setzt sich zum Ziel, im Rahmen des Studienaustausches ein wissenschaftliches und kulturelles Programm zu schaffen. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist es, direkte und persönliche Kontakte zwischen den GFPS-Stipendiaten und den Studenten des jeweiligen Austauschlandes zu ermöglichen. So sollen die ausländischen Studierenden die Möglichkeit bekommen, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern und sich intensiv mit den „neuen“ Lebensgewohnheiten vertraut zu machen. Zudem organisieren wir Sprachkurse, Seminare und Infoabende zu GFPS-Stipendien. Darüber hinaus müssen wir Abrechnungen machen und falls nötig, nach neuen Stiftungen suchen. So lernen wir selbstständig und verantwortungsbewusst zu arbeiten, Organisationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Kontaktfähigkeit sowie Zeitmanagement“, sagt Paulina.

Was ist das besondere an GFPS?

„Der Erfolg von GFPS e.V. beruht auf dem Engagement von aktiven Mitgliedern, dessen Projekte ganz in studentischer Hand liegen. Wir unterstützen die GFPS-Studenten nicht nur finanziell, sondern wir bieten ihnen auch Hilfe und Betreuung während des Auslandsaufenthaltes an. Uns ist es wichtig, dass GFPS-Stipendiaten mit Heimatstudenten nicht nur zusammen wohnen, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen, sondern auch um die Kultur und Tradition kennen zu lernen. Zudem bieten wir ein wissenschaftliches Forum an. So können sie sich gegenseitig austauschen, Kontakte aufbauen und sogar der GFPS beitreten. Mit den Grundsteinen unserer starken Unterstützung und unserer subtilen Erfahrungen diesseits und jenseits der deutsch-polnischen Grenze lassen sich solide Brücken bauen“, meint Tim.

Alte Rezepte zum Nachkochen

Der Geschmack des Alten Breslau kehrt wieder in die Küche zurück. Der Historiker Grzegorz Sobel veröffentlichte das Buch „Przy wroclawskim stole“ / Am Breslauer Tisch. Neben den zahlreichen kulinarischen Spezialitäten aus dem XVII. bis zum XIX. Jahrhundert sind im Buch viele authentische Rezepte zu finden, die leicht zum Nachkochen sind.

Grzegorz Pomietło, Chefkoch im Breslauer Art Hotel

Grzegorz Pomietło, Chefkoch im Breslauer Art Hotel

Breslau – die Stadt der einzigartigen Knackwürste, dafür war die Stadt schon damals bekannt. Auf dem Marktplatz wurden in Hütten diese knackigen Würste verkauft. Populär waren sogar die Wurstverkäuferinnen namens Wurstelfrauen. Sie zogen mit einem Weidenkorb gefüllt mit warmen Würsten und Kümmelbrezeln durch Straßencafes und Restaurantgärten, um sie dort zum Verkauf anzubieten.

Gebräuche und Tischgewohnheiten

Welche historischen Geschichten noch im Buch verborgen sind, verrät Grzegorz Sobel. „Auch beim Gebäck haben die Breslauer eine außerordentliche historische Geschichte zu bieten. Bekannt waren der genussvolle Streuselkuchen und der Honigkuchen, der für seine originelle, erkennbare Form an Bedeutung gewann“, erzählt der Autor und fügt hinzu, „die Breslauer schätzen auch die Speisen wie die Schwärtel, das Schlesische Himmelreich oder das Breslauer Rotkraut. Natürlich wird auch die Geschichte des Breslauer Bieres erwähnt“. In bildhafter Beschreibung erfahren die Leser neben diesen traditionellen Spezialitäten weitere Geschichten der Breslauer Küche. „In diesem Buch sind auch viele Informationen über die Sitten, Gebräuche und Tischgewohnheiten, berühmte Lokale und grandiose kulinarische Anekdoten, die von den Breslauern erzählt wurden“, berichtet Grzegorz Sobel.

Für alle Feinschmecker

Die Königin der Kochrezepte ist die Phantasie. Die leckeren kulinarischen Meisterwerke hat der Autor auch selbst nachgekocht. „Ich liebe es zu kochen. Mit diesem Buch möchte ich die heutige Küche bereichern, damit die Feinschmecker in den Genuss der damaligen kulinarischen Spezialitäten Breslaus kommen. Mein Interesse kreist um die kulinarischen Spezialitäten Breslaus, ihrer Tradition und ihrer Kultur aus dem XIV. bis zum XIX. Jahrhundert. Das Buch soll nicht nur ein historisches, kulinarisches Handbuch sein, sondern auch eine angenehme Lektüre, die das Bedürfnis weckt, die vielen authentischen Rezepten der traditionellen Speisen Breslaus nachzukochen und zu kosten“, meint Grzegorz Sobel.

Einmalige Speisekarte

Leider sind viele der damaligen Breslauer Spezialitäten lange nach dem 2. Weltkrieg in keinem Restaurant und Cafe aufzufinden gewesen. Doch nun ließ sich Grzegorz Pomietło, der Küchenchef des Art Hotels in Breslau, von dem Buch inspirieren und lies den Geschmack des Alten Breslau wieder zum Leben erwecken. Seit 2008 werden einige Gerichte auf seiner Speisekarte offeriert. „Ich wollte den Gästen einmalige und spezielle Gerichte anbieten. So bin ich auf das Buch „Przy wroclawskim stole“ / Am Breslauer Tisch gestoßen und habe zur Probe einige Gerichte auf die Speisekarte eingeführt. Die Idee ging auf und seitdem bieten wir unseren Gästen die damaligen traditionellen Spezialitäten Breslaus an“, berichtet Grzegorz Pomietło. 

Feinschmecker können nun in den Genuss der damaligen kulinarischen Spezialitäten Breslaus kommen.

„Polnische Unis können gut mit deutschen Unis mithalten!“

 

Matthias Wisniewski

Matthias Wisniewski vor der Breslauer Universität

Matthias Wisniewski (23) studiert im 3. Studienjahr Innenarchitektur an der Akademie der Bildenden Künste Breslau und im 1. Studienjahr Architektur und Städtebau an der Technischen Universität Breslau. Das Studium in Polen hat er gezielt gewählt. Mit Matthias Wisniewski sprach Dagmara Galla.

Warum wolltest du in Polen studieren?
Da gibt es viele Gründe. Zum Ersten wollte ich zurück in mein „Heimatland“, die Sprache und vor allem die Kultur kennen lernen. Ich bin in Polen geboren und habe 20 Jahre in Deutschland gelebt. Deutschland hatte mich durch verschieden Gründe gelangweilt, wie Politik, Kultur oder Wirtschaftssituation. Hier in Polen lebt auch der größte Teil meiner Familie, deshalb fiel die Wahl auch auf Breslau, da es relativ nah an Groß Strehlitz und Namslau liegt.

Welche Vorteile bringt dir das Studium in Polen?
Der größte Vorteil ist natürlich der Finanzielle. In Deutschland kostet ein Studium im Durchschnitt 600-900 Euro pro Monat (abhängig je nach Studienrichtung). In Polen gibt es keine Studiengebühren (abgesehen von der Einschreibegebühr) und wenn man gut ist, bekommt man sogar noch ein staatliches Stipendium, nicht viel aber immerhin etwas. So kostet mich hier ein Monat mit super Wohnung, Verpflegung, allem drum und dran nicht ganze 400 Euro. Noch ein Vorteil in Polen sind, finde ich die motivierteren Professoren. Ich weiß, dass es an jeder Uni anders ist, aber ich habe hier überwiegend gute Erfahrungen mit Professoren gemacht und vom technischen Niveau (Wissen, Kapazitäten, Räume, Computer etc.) können die Unis hier gut mit den deutschen mithalten. Zudem mache ich während des Studiums ein dreiwöchiges fachbezogenes Praktikum auf dem Bau.  

Hattest du Bedenken, ein Studium in Polen zu beginnen?
Klar, wie wird das sein mit der Sprache, mit der Kultur, in der Uni, mit der Wohnung? Das waren die größten Bedenken. Vorher sprach ich kaum bis wenig Polnisch, langsam wird es besser. Polnisch ist eine sehr schwierige Sprache, manche die Chinesisch und Polnisch können sagen, dass das Chinesische leichter ist. Von daher sollte man sich beim Lernen Zeit lassen und nicht gleich mit der Brechstange daran gehen.

Welche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten gibt es zwischen polnischen und deutschen Unis?
Ich habe zwar nie formell in Deutschland studiert, dennoch kannte ich durch meinen Vater einige deutsche Unis bzw. Akademien sehr gut.
Insgesamt viel mir in Deutschland eine Trägheit und Unlust bei den Professoren und bei den Studenten ein Faulheit auf. In Polen ist es größtenteils fast umgekehrt. Man ist hier lebensfroher, temperamentvoller, es ist eben etwas anderes. Was mich noch erstaunt hat, ist dass man hier in Polen technisch auf einem hohen Niveau ist, das zählt für die Werkstätten und vor allem auch für die Computerräume bzw. Computerausstattung. So sehe ich hier in Polen gleichwertig bis bessere Visualisierungen von Architektur bzw. Design als in Deutschland. Und genau hier ist das Problem, in Polen bleibt es dann meisten bei dem zwar schönen Entwurf, aber es bleibt ein Konzept. In Deutschland hingegen sind die Chancen viel größer, dass ein Produkt bzw. ein Entwurf für ein Gebäude dann auch realisiert wird.

Wie gefällt dir das Leben in Polen?
Das leben in Polen bzw. der Unterschied zu Deutschland ist wie der Unterschied zwischen Tag und Nacht. Die Polen kommen nicht an die Intelligenz bzw. den Lebensstandart der deutschen Kultur heran, dafür haben der 2. Weltkrieg und die kommunistische Diktatur zu viel zerstört. Es wird Jahrzehnte, wenn überhaupt, dauern bis Polen zu einem kulturellen und reichen Land wird wie Deutschland. Die meisten Fachleute, im Grunde genommen der Großteil der polnischen Intelligenz ziehen nach England, USA und Irland, wodurch es dem Land an Technologien, Struktur, guter Politik fehlt. Deshalb sieht es in Polen so verarmt, ungepflegt, teilweise dreckig aus. Abgesehen von meinem Gebiet dem Design und der Architektur, wo einiges hier geschieht, sieht es kulturell eher düster aus. Das deutsche Kulturprogramm, ist hingegen viel größer, vielfältiger, wie ich finde von der Malerei, Skulptur, also von der Kunst her auch viel, viel hochwertiger als das Polnische. Natürlich, politisch und wirtschaftlich geht es beiden Ländern schlecht, doch für mich zählt in erster Linie das Kulturelle. Und daher gefällt mir Polen von den äußeren Umständen wenig, jedoch ziehen mich die Kompetenz der Unis und vor allem die Menschen in ihren Bann.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Viele Leute fragen mich, ob ich zukünftig, eher in Deutschland oder eher in Polen leben möchte. Das zeigt mir, wie verharrt diese Gegensätzlichkeit der Kulturen ist. Für mich ist es ein Land und das heißt Europa. Als solcher europäischer Bürger, der ersten Generation wie ich sie nenne, bin ich der Welt entgegen offen und werde in einer globalisierten Welt dort leben, wo es Arbeit geben wird.

Die kulinarische Vielfalt der polnischen Küche

Die kulinarische Landkarte Polens formte nicht nur die Geschichte, sondern vor allem das Klima, die Struktur der Gebiete und die Fruchtbarkeit des Erdbodens. Jede Region sorgte für eigene lokale Produkte und Spezialitäten. In der polnischen Küche sind Mehlspeisen, Grütze und Kartoffeln ein fester Bestandteil zahlreicher Gerichte.

Landkarte

Lokale Köstlichkeiten

In Pommern und Kaschubei lohnt es sich, Fischgerichte zu probieren. Sehr empfehlenswert sind Rührei mit Hering, Fischsuppen, Karpfen mit Pilzen oder die legendären pulki kaszubskie (Heringe mit Zwiebeln und Sahne, die mit Kartoffeln in Schale serviert werden). Zudem werden racuchy drożdżowe (Häfeklöße) serviert.

Die regionale Küche von Ermland und Masuren hat viel mit der deutschen Speisekarte gemeinsam. Hier werden viel Fleisch, Klöße und saure Speisen gegessen. Zubereitet werden sie meistens mit Sahne und Kräutern. Zu den Klassikern der regionalen Küche gehören u.a. Sauerkrautsuppe, saure Mehlsuppe, Bierwurst, dybdzalki (Teigtaschen gefüllt mit Rindfleisch) oder auch pokuczaj (Fleischklößchen). Ebenso beliebt ist der aromatisierte masurische Lebkuchen – der so genannte piernik.

In Podlachien, im östlichen Teil Polens, ist die Küche von litauischen, belarussischen und tatarischen Einflüssen geprägt. Populär sind in dieser Region Kartoffelkuchen, kartacze (großer Kartoffelkloß mit Fleischfüllung) wie auch soczewniak (große Teigtasche mit Linsenfüllung und Knoblauchsoße). Zudem ist die Region für das hervorragende Brot, den Baumkuchen, bigos (Eintopf aus Sauerkraut und Weißkohl), barszcz (Rote-Beete-Suppe), kindziukas oder auch skilandis genannt (Schweinemagen mit gehacktem Fleisch gefüllt) bekannt. Aus Podlachien kommt auch der berühmteste Wodka – Żubrówka.

Masowien ernährte sich in vergangenen Zeiten von den Gaben des Waldes. Nachdem Warschau zur Hauptstadt wurde, gab es eine vorzügliche Küche. Charakteristisch für die örtliche Küche sind flaki po warszawsku (Kutteln auf Warschauer Art), żurek (saure weiße Mehlsuppe mit Wurst), Erbsensuppe und Rote Beete.

Großpolen gehörte schon immer zu den reichsten und sich am dynamischsten entwickelten Regionen Polens. Die Rezepte sind sehr fleisch-, wurst- und kartoffelreich. Bis heute ist die Ente mit Apfelfüllung, serviert mit Kartoffelpüree und gzik (Quark mit Sahne, Zwiebel, Schnittlauch und Radieschen), beliebt. Zu den örtlichen Spezialitäten zählen zudem kluchy na łachu (Posener Kartoffelklöße mit Jägersoße), Dampfnudeln und ślepe ryby (eine Kartoffelsuppe).

Die Küche Schlesiens ist einerseits durch die Bergbautradition geprägt, die eine reichhaltige Nahrung voraussetzt und andererseits durch die kulinarischen Einflüsse verschiedener Provinzen. Zu den bekanntesten Hauptspeisen der schlesischen Küche gehören das Schlesische Himmelreich, Hühnersuppe mit Nudeln, krupniok (eine Wurst aus Innereien, Graupen und Blut). Natürlich dürfen die Rinderrouladen mit Rotkohl und die schlesischen Kartoffelklöße als traditionelles Sonntagsgericht nicht fehlen.

In Kleinpolen (Galizien) sind die Gerichte von der österreichischen, ungarischen, tschechischen und jüdischen Küche geprägt. So findet man auf der Speisekarte u.a. leckeres ungarisches Gulasch, Wiener Schnitzel oder russische piroggen mit Käse-Kartoffelfüllung. Eine beliebte Speise ist der Rindertatar, der auf die mongolischen Reiter in Mitteleuropa zurückgeht, die rohes Fleisch als Proviant unter dem Sattel mit sich führten. Sehr populär ist die baigli (Nuss-Mohn-Rollen) und kutia (eine süße Suppe aus Getreide und Trockenobst).

Lubelszczyzna – Region um Lublin – wird mit cebularz (Zwiebelbrot), Speisen aus Buchweizengrütze und mit Honig assoziiert.

Ein fester Bestandteil der Küche in Podhale (eine Gebirgsregion in Südpolen) sind Kartoffeln. Aus ihnen wird u.a. moskole (Kartoffelpuffer) gemacht. Wer in Podhale weilt, sollte unbedingt den berühmtesten geräucherten Schafskäse oscypek und den nicht geräucherten Schafskäse bryndza probieren. In Zakopane wird der Oscypek-Käse an der Straße kurz im Backofen erwärmt verkauft. Zudem ist die Region für die Sauerkrautsuppe und das Lammfleisch bekannt.

In Vorkarpaten – Region in Südpolen – sind Gerichte mit Kartoffeln, Buchweizengrütze und Hirsegrütze populär. Außerdem ist Vorkarpaten für die Kohlrouladen, verschiedenartige Piroggen, saure Mehlsuppe und kugel (Kartoffelauflauf) bekannt.

Diese Delikatessen sollten unbedingt während des Aufenthaltes in Polen probiert werden!

Smacznego!

Zakopane – “St. Moritz der Karpaten”

Tatry

Zakopane, eine touristische Perle der Region Podhale Quelle: Dagmara Galla

 
 
 
Zakopane liegt am Fuße der Tatra und ist von einer ausgesprochen schönen Natur umgeben. Die Stadt ist als Luftkurort und Reiseziel für Erholungssuchende und Touristen berühmt. Die Ortschaft ist aus spezifischer Goralenfolklore bekannt, sie ist die Hauptstadt der Region Podhale sowie die höchstgelegene Stadt in Kleinpolen und bietet ein Skigebiet mit alpinem Charakter. Im Winter ist die Winterhauptstadt Polens ein Mekka für Skifahrer, im Sommer dagegen ist Zakopane für Bergsteiger und Wanderer genau das Richtige. Abgesehen von den vielen Kultur- und Sporterlebnissen schwärmen die Besucher von der Gastfreundlichkeit der Einheimischen.
 
 

 

Der Hauptanziehungspunkt  ist natürlich die Tatra, die zum Biosphärenreservat erklärt wurde.

Die besten Bedingungen zum Skifahren gibt es in der Gegend vom Kasprowy Wierch. Für Anfänger eignet sich der Gubałówka- bzw. Antałówka-Berg. Die Touristen können mit Seilbahn auf die Gipfel Kasprowy Wierch oder Gubałówka hineinfahren, die die schönsten Panoramablicke bieten und zu den beliebtesten Wanderzielen in der Region zählen. Des Weiteren gibt es im Tatra-Nationalpark ca. 240 km Wanderwege sowie nahezu 160 km Loipen und Pisten. Außerdem zeichnet sich der Park durch seine typische Pflanzenwelt und seine überaus reiche Tierwelt aus. Die meist vertretenden Tierarten sind Gamsen und Murmeltiere, aber auch Braunbären, Luchse, Wölfe und Steinadler. Eindrucksvoll sind auch die Täler mit ihren tiefblauen Bergseen. Zu empfehlen ist eine Wanderung zum Meerauge, dem Morski Oko, dem größten See der Hohen Tatra. Der See Morskie Oko wurde in der polnischen Literatur und Malerei oft als Motiv gewählt.

Tradition der Region Podhale

Eine der größten Attraktionen von Zakopane und der ganzen Region Podhale ist die erhalten gebliebene Bergbauernfolklore. Sie bildete sich aus der polnischen, slowakischen, ungarischen und balkanischen Kultur und enthält auch Elemente der Karpatenzivilisation. Ihr polnisch-slowakischer Dialekt ist bis heute erhalten geblieben. Volkloreabende der Bergbauern, die hier „Gorale” genannt werden, moderne Goralenmusik und bunte Volkstrachten schaffen eine besondere Atmosphäre.

Jedes Jahr Ende August organisiert Zakopane das Internationale Folklorenfestival der Gebirgsländer, an dem Goralen-Ensembles aus dem In- und Ausland teilnehmen. In drei Wettbewerbskategorien werden Gold-, Silber- und Bronze-Ciupagi (Goralenaxt) verliehen.

Kunst und Theater

Diese ethnische Gruppe ließ viele polnische Komponisten, Dichter und Schriftsteller inspirieren. Ihre Werke werden im Tatra-Museum ausgestellt.

Vor Ort können sich Besucher überzeugen, wie hiesige Künstler Kunstwerke entstehen lassen. Als Erinnerungsstücke werden Skulpturen, Leder- und Metallerzeugnisse sowie berühmte Glasmalereien verkauft. Zudem gibt es auf der Fußgängerzone von Krupówki eine ganzjährige Straßengalerie, viele Porträtisten und Karikaturisten. 

Das St.-I.-Witkiewicz-Theater, das 1985 entstand, ist das erste professionelle Theater in Zakopane. Es verfügt über eine Bühne und ein erstklassiges Repertoire. In der Galerie nebenan sind interessante Wechselausstellungen zu sehen.

Die Krupówki-Straße ist eine der fünf berühmtesten Straßen in Polen. Entlang der über einen Kilometer langen Flanierstrasse stehen Straßenverkäufer und handeln mit Souvenirs jeder Art. Die Fußgängerzone bietet viele Restaurants, Cafes, Boutiquen, wo die Besucher sich von der besonderen Stimmung und dem einzigartigen Flair der Stadt mitreißen lassen. Eine weitere Attraktion ereignet sich einmal im Jahr, wenn die Strasse mit dem Geblöke der Schafsherden erklingt. Hier entlang werden sie auf die Alm getrieben.

Besonders interessante Bauwerke

Zakopane ist für ihre charakteristische Bebauung im Tatravorlandstill bekannt. Auf der Kościeliska-Straße dominieren die hölzernen Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert. Zu den populärsten Attraktionen zählt die berühmte Kapelle und der Alte Friedhof am Pęksowy Brzyzek, der um das Jahr 1800 entstanden ist. 1889 wurde dort Tytus Chalubinski beigesetzt. Er war Arzt, Naturforscher und zugleich Pionier des polnischen Alpinismus, insofern wurde er als Entdecker von Zakopane angesehen. Zakopane besitzt zahlreiche Sakralbauwerke: Jesuitenkirche, Kirche der Heiligen Familie, Kirche der Gottesmutter von Tschenstochau und des heiligen Klemens oder die Kapelle der Gottesmutter am Gubałówka, die von polnischem Maler Stanisław Witkiewicz entworfen wurde.

Zakopane wird nicht ohne Grund „St. Moritz der Karpaten“ genannt. Ob in der Sommer- oder in der Wintersaison findet hier jeder sein eigenes (Sommer-) Wintermärchen.

Schüler des Conrad-von-Soest-Gymnasium drücken in Groß Strehlitz die Schulbank

Schüleraustausch

Schüler des Conrad-von-Soest-Gymnasium und Schüler des Władysław-Broniszewski-Lyzeum in Groß Strehlitz

Polen, das Land im Herzen Europas, ist für die meisten Schüler leider immer noch wie der weiße Fleck auf der Landkarte. Um sich ein persönliches Polen-Bild zu verschaffen, waren Oberstufenschüler des Conrad-von-Soest-Gymnasium aus Soest kürzlich zu Besuch in Groß Strehlitz.

Vor dem Schüleraustausch wussten die Gastschüler nur sehr wenig über Polen. Ihre Kenntnisse reichten vom Zweiten Weltkrieg über die geographische Lage, die unberührte Natur bis hin zum chaotischen Verkehrswesen. Die Neugier auf Polen war groß und so nahmen sie die Chance an, während des einwöchigen Schüleraustausches das Land Polen, seine Menschen und seine Kultur zu erleben.

Erlebnisreiche Einführung

Das erste Treffen der Gastschüler aus Soest mit den Schülern der Partnerschaftsschule Władysław-Broniszewski-Lyzeum in Groß Strehlitz fand traditionell in Krakau statt. Von der Königsstadt konnten sie während der Stadtbesichtigung erste Eindrücke gewinnen. Über die berühmte Florianstraße erreichten sie den „Rynek Główny“, dem Marktplatz, einem der schönsten und größten Plätze Europas. Mitten auf dem Marktplatz schlenderten sie durch die Tuchhallen und besichtigten die Marienkirche mit ihren charakteristisch ungleichen Türmen. Danach machten sie sich auf den Weg zum Wawel-Hügel, wo sie das Wawel-Schloss erkundet hatten. Nach der Besichtigung führte sie ein interessanter Weg von der Burg hinab zur Weichsel – es war der Gang durch die legendäre Drachenhöhle. Anschließend sahen sie sich das jüdische Stadtviertel Kazimierz an. Melina ist zum ersten Mal in Polen und ist von der Stadt sehr beeindruckt: „Die Krakauer Altstadt hat eine schöne Atmosphäre. Es ist ein guter Ort, um die polnische Geschichte und Kultur besser kennen zu lernen. Außerdem kann man in Krakau gut einkaufen gehen und sich in das berühmt-berüchtigte Nachtleben stürzen.“ Von Krakau ging es dann nach Groß Strehlitz, wo die Schüler bei ihren Gastfamilien übernachteten.

Positiv überrascht!

Nils war in Blottnitz, in der Nähe von Groß Strehlitz untergebracht und kam mit der Gastfamilie gut aus. „Sie empfingen mich mit großer Gastfreundschaft und Offenheit. Es gab überhaupt keine Sprachbarrieren. Ich war überrascht, dass meine Gastfamilie die deutsche Sprache fast fließend beherrscht! Sie baten mich sogar, sie gegebenenfalls zu verbessern“, so Nils. Zudem fielen den Gastschülern die unberührte Natur und das generationenübergreifende Zusammenleben in den Familien auf. Interessant war auch ein Abend am Lagerfeuer, da die Soester Oberstufenschüler noch nie Würstchen auf einem Spieß gegrillt haben, sie kennen nur den guten alten Holzkohlegrill! Am Wochenende gab es zwei Themenschwerpunkte, zum einen die Besichtigung des oberschlesischen katholischen Wallfahrtsort Sankt Annaberg und zum anderen der Kirchgang und abendliche Feierlichkeiten zum Erntedankfest.

Deutschen Minderheit wird keine Beachtung geschenkt…

Im Programm stand auch eine Stadtführung durch die Partnerschaftsstadt Groß Strehlitz. Die Schüler setzten sich mit der Stadtgeschichte auseinander und erfuhren von der Gründung der Stadt nach dem deutschen Recht. Unklar und unter den Historikern umstritten ist das genaue Datum der Gründung. Geprägt von der deutschen sowie polnischen Sprache, wurde die Stadt zusätzlich von dem Schlesischen Dialekt bereichert. Des Weiteren besichtigten sie die Laurentiuskirche sowie den riesigen Park samt der Schlossruine. Allerdings wurde der deutschen Minderheit in Oberschlesien zu wenig Aufmerksamkeit während des Schüleraustausches geschenkt. Den Schülern war nicht bekannt, dass erst seit dem Umbruch in Europa und der Demokratisierungsbestrebung in Polen die jahrelange angestrebte Kulturautonomie der Deutschen Minderheit in Polen erlaubt wurde, deutsche Zeitungen, Radio- und Fernsehsendungen herausgegeben werden oder Abgeordnete die Interessen der deutschen Minderheit im polnischen Parlament vertreten. „Durch mein eigenes historisches Interesse und einen Austauschschüler aus Polen weiß ich nur, dass nach dem Zweiten Weltkrieg ein Teil der Deutschen in Polen geblieben ist, an polnischen Schulen Deutsch als Fremdsprache und mittlerweile auch als Muttersprache eingeführt worden ist und Gottesdienste auf Deutsch gefeiert werden. Doch dass es direkt eine aktive Deutsche Minderheit in Polen gibt, war mir bis dato ungekannt“, gab Myrella zu.

Ein Ort mit Geschichte

Nachdem sich die Austauschschüler auch einen Einblick von ihrer Partnerschaftsschule gemacht und einen Besuch bei der Kreisverwaltung Groß Strehlitz gehabt hatten, wurde auch ein Tag dem ehemaligen Konzentrationslager in Auschwitz gewidmet. „Ich hatte etwas Angst davor, sich das Nazi-Grauen anzusehen. Man hört nur Daten und Zahlen, aber man muss vor Ort sein, um das alles besser begreifen und realisieren zu können“, meint die Soester Schülerin Melina. „Ich selbst habe Schuldgefühle, obwohl ich nicht am Krieg beteiligt war, doch es ist mit der deutschen Geschichte verbunden“, erzählt Myrella bedrückt, „es ist aber relevant, dass die Geschichte des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit gerät, um eine Wiederholung des Geschehenen zu vermeiden.“ Obwohl die Stimmung leicht gekippt war, zieht Nils aus dem Schüleraustausch ein positives Resümee. „Mein ganz besonderes Anliegen war es, den Dialog zwischen den Deutschen und Polen zu festigen, damit sich die Verhältnisse verbessern und Freundschaften entstehen. Meines Erachtens sollte man nicht länger auf die Vergangenheit schauen, sondern positiv in die Zukunft blicken“, so Nils. 

Nach der wöchentlichen Visite in Polen fuhren die Soester Schüler mit zahlreichen neu gewonnenen Eindrücken und neu geschlossenen Freundschaften nach Hause.